Grotesk, kapriziös, skurril, schrullig, wunderlich oder verschroben?
Ungewohnt, seltsam, kurios, sonderbar, befremdlich, wohlmöglich abgehoben?
Eigen, kritisch, nonkonformistisch, schicksalhaft, ausgefallen, fragwürdig,
bizarr, nebulös, exotisch, anonym? Auf jeden Fall merkwürdig!
Exzentrisch, komisch, kauzig, Â fratzenhaft, vielleicht sogar unheimlich?
Das Kartoffelpüree meiner Mutter bleibt und ist – einfach unbeschreiblich…
Der Velociraptor war viel kleiner, als in Jurassic Park gezeigt und hatte obendrein Federn. Auch bei der Familie der Tyrannosauridae hat man mittlerweile Federn nachgewiesen. Das bedeutet im Klartext: Tyrannosaurus Rex war im Prinzip ein riesiges Hühnchen. Was wohl der Colonel von Kentucky Fried Chicken davon hält, wenn man ihm Hühnerschenkel in übermannslänge anbietet? Dollarzeichen gehen ihm in den Augen auf. Sofort ruft er Steven Spielberg an und erkundigt sich nach der Adresse der Schauspieler, die die Saurier in Jurassic Park geklont haben. Der Colonel zwingt sie nun wirklich die Gene von Dinos in Hühnereier zu spritzen. Nach einigen Monaten bekommt er einen Anruf. Der erste Tyrannosaurus Rex steht zum Schlachten bereit. Glückshormone durchströmen den Colonel, als er mit dem Hubschrauber zu der Insel fliegt, auf der seine neue Dinosaurierfarm steht. Er springt nach der Landung sofort aus dem Heli und rennt auf das 12 Meter große Huhn zu, das dort auf dem Boden herumscharrt und den Kopf keck in den Himmel reckt. Dann blickt das Tyrannohuhn auf ihn herab. Es pickt einmal nach ihm und der Colonel ist auf einen Schlag verschwunden.
Lieber Joseph,
Du hattest mal kühn behauptet, dass jeder Mensch ein Künstler sei. Mit diesen Worten im Hinterkopf wirkt meine verdreckte Küche bei jedem Betreten wie eine realitätsnahe Installation, die auf der nächsten Documenta ihren triefenden Stammplatz finden könnte. Ich nenne sie selbstbewusst „Fettraum“, wobei das natürlich mehr als offensichtlich auf Deinem Mist gewachsen ist. Wer hätte gedacht, dass jeder mehr oder weniger gewollte Fettspritzer einem Pinselstrich gleichkommt.
Ich sehe sie schon vor mir. Die unzähligen Ausstellungsbesucher, wie sie eng geschart meine grotesk schmuddelige Spüle bestaunen und Dinge sagen wie „Ich habe gehört, der Künstler verwendete höchst seltene Schimmelpilze aus Sri Lanka. Nur so entsteht dieser wahnwitze Effekt samt des Kloakenaromas!“
Themenwechsel. Gestern auf der Flucht via S-Bahn hörte ich folgenden Klassiker. „Deine Mutter ist so fett, dass die Waage beim Wiegen ‘Fortsetzung folgt’ anzeigt“. Hättest Du jemals gedacht, dass Dein Lieblingsmaterial Fett irgendwann im gängigen Jugendslang Verwendung findet? Dass sie mittlerweile statt „affentittengeil“ lieber „fett“ rufen? Und wenn Ja, hättest Du dann ein anderes Material genutzt?
Butter kannst Du Dir direkt abschmieren. Die Redewendung „Alles in Butter“ ist bereits zu sehr in aller Munde. Muss es überhaupt so schmierig sein wie meine Küche? Muss Kunst triefen und Flecken hinterlassen?
Bestimmt. Denn was für den einen bloß einen Fleck darstellt, ist für den anderen Kunst. Joseph, Du hättest mich vor zwei Wochen erleben sollen. Da stieß ich versehentlich gegen das voll mit Bier- und Biermixgläsern bepackte Tablett des nahenden und überforderten Kellners. Flecken ohne Ende! Mein bestes Werk bis dato.
Mit triefenden Grüßen
Oliver
Will man Erfolg bei dem anderen Geschlecht haben, sollte man genau auf die Schuhe achten, die das Gegenüber trägt. Manche haben hohe Absätze, andere knallige Farben, wieder andere sind schlicht und einfach oder vielleicht sogar aus Leder. Die Schuhe geben wichtige Aufschlüsse über die Sexualität und das Balzverhalten des Gegenübers. Wie man diese Verbindungen einzuordnen hat, muss man allerdings den Experten überlassen, die sich wichtigmachen wollen und ohnehin zu jedem Thema etwas zu sagen haben. Neulich sprach ein solcher Experte über Zebras. Es war – glaube ich – in einem Tierfilm. Was er genau sagte weiß ich nicht mehr, aber es schien enorm wichtig zu sein und man hätte es sich besser merken sollen. Zusammenhänge gibt es aber viele, Zebras tragen keine Schuhe und kopulieren gerne im Freien. Ich vermute, dass Barfußgeher dies auch gerne tun, wenn sich die Möglichkeit bietet. Doch so genau weiß ich das nicht. Nicht jeder, der keine Schuhe trägt, identifiziert sich schließlich mit einem Zebra.

Lieber Joseph,
gerade beendete ich eine deprimierende Runde durch meine sterbende Heimatstadt.
Friseure, Ramschläden mit 1-Euro-Produkten, An- und Verkäufer, Nagelstudios, Imbißbuden. Berlin verpflichtet sich derweil „arm, aber sexy“ zu sein. Meine Ecke hat dagegen nicht verstanden, dass Thüringer Unfrisuren und Gelnägel nichts mit Sexappeal zu schaffen haben. Wenigstens der Teil mit der Armut funktioniert tadellos.
In den Nachrichten werden Ablenkungsmanöver geschaltet; in den Discountern lebensfüllende Maßnahmen vertickt. Wie z.B. technische Neuerungen, um den Großteil spielerisch auszubooten. Ankündigungen von Popstars wie dem Papst klingen gekonnt, aber füllen temporär eher die Schlaglöcher unseres Daseins. Zukunftsträger bzw. ursprüngliche Quellen einer möglichen Bedeutsamkeit werden gekippt, wie z.B. die Zuschüsse für Archäologie. Für tiefer gehende Themen und Gebiete fehlt die Zeit, fehlt das Geld.
Man möchte stattdessen einen Til Schweiger Tatort sehen. Den King des Monats probieren. Sich am WE zulaufen lassen und möglichst krude Sexerfahrungen sammeln. Denn was ist unser Dasein sonst wert?
Ich hätte nie gedacht, dass der Spruch „Du bist, was Du isst“ für mich noch an Bedeutung gewinnen könnte. Wobei das Essen vielmehr im Sinne des Zu-sich-Nehmens zu begreifen ist, also Konsum.
Gestern aß ich im Zuge einer arbeitsbedingten Teamsitzung von einem Frühstücksbuffet. Für EUR 6,50 durfte ich so oft und so viel essen, wie ich wollte. Aber … Zahle. „Uns“ ist es scheißegal, wie viel und wie oft Du isst. Hauptsache, Du zahlst Deinen Platz in der Schlange.
Was ich eigentlich mit diesem kleinen Text sagen wollte, mein lieber Joseph: Fast wäre mir gar nicht aufgefallen, wie scheiße die Brötchen schmeckten, da ich ja wußte, dass ich statt Qualität Quantität erwarten konnte. Unendliche Rationen an Brötchen. Kein Mangel an Mangelwaren.
Und wir können alles kaufen.
Armes Land.
Grüße in die Ferne
Oliver

Lieber Joseph,
ich kann nicht mehr malen und ich kann nicht mehr zeichnen. Solche Probleme sind Dir sicherlich unbekannt. Du würdest wahrscheinlich einfach eine Packung Vogelfutter, 30 Dosen Schuhcreme, mehrere Stadtpläne irgendwelcher Kleinstädte am Niederrhein und Spülmittel (Warum sagen manche Leute dazu Spüli? Man sagt doch auch nicht Zahncremi. Oder Waschi) nehmen und damit irgendein Behältnis füllen – vorzugsweise etwas, das man danach nie wieder benutzen kann. Nie wieder Waschi für die Waschmaschine kaufen.
Warum kann ich nicht mehr malen und zeichnen? Ich habe Angst vor dem ersten Strich. Der muss derartig perfekt sitzen, dass ich nicht genervt abbreche, sondern jubelnd weitere Striche ziehe. Eine weitere Sorge ist die Meinung anderer Leute.
Sicherlich ist mir klar, dass man auf diese besser niemals hören sollte. Es sei denn, sie rufen „PASS AUF! DIE AMPEL IST ROT!“ oder so etwas in der Art. Aber im Normalfall ist es oft furchtbar ernüchternd, den meisten Personen einfach nur zuzuhören. Bei dem Besuch einer Deiner Ausstellungen in Düsseldorf fragte einer der Mitläufer einer Führung, wie viel ein bestimmtes Deiner Werke nun wert sei. Da möchte man nur noch den Kopf schütteln und den Wissbegierigen gleich mit. Nun stelle Dir mal vor, ich fülle meine Waschmaschine mit Vogelfutter und Co. und nenne sie schlicht und einfach „Das unfassbare Unglück in penetranten Zahlenreihen abseits von Dir und Frau Müller“ – wie soll ich da mit Fragen nach dem Wert umgehen? Die Waschmaschine ist schließlich hin.
Eine andere Frage bleibt bestehen: Wie soll man mit der Meinung der Anderen umgehen? Die eigene Meinung bleibt meist übertrieben kritisch und die der anderen ist ja oft nur Phrasendrescherei, die zwar wunderbar für Smalltalk verwendbar ist, aber sonst wertfrei bleibt.
Blöd nur, dass ich mir die Antwort auf die Frage gerade selbst geliefert habe. Vielleicht liegt aber darin der Sinn so mancher Meinungsäußerung. Also, wo ist mein Stift?
Fette Grüße
Oliver

Angelina Jolie ist auf der Rolltreppe hingefallen und hat sich zwei Zähne abgebrochen. Da sie in Deutschland nicht versichert ist, zieht ihr der Zahnarzt alle Zähne und setzt ihr stattdessen – gratis – ein Fangeisen für Bären ein. Die Zähne versteigert er an Fans, die von Angelinas Unglück in der Zeitung gelesen haben. Doch das Geschäft ist nicht besonders lukrativ. Mit der Bärenfalle in der Fresse setzt die Hollywood-Diva nämlich einen neuen Trend und Zähne sind plötzlich out. Jeder will die glänzenden Metallkauleisten im Mund haben: Polizisten, Kampfhunde, Kindergärtner, japanische Geishas und sogar der ehemalige Papst. Sie sind ja auch ungeheuer praktisch. Man kann Konservendosen mit dem Mund öffnen und braucht sich nie die Zähne putzen. Nur Flavor Flav kann dem nichts abgewinnen. Als er als Einziger so rumlief, wollte niemand so aussehen. Die Gesellschaft ist einfach oberflächlich und unterschwellig rassistisch. Manche Minderheiten werden immer noch stärker diskriminiert als andere. Das merkt man auch daran, dass es Frauen- und Behindertenparkplätze gibt, aber keine für Zigeuner und Schwule.


